West-östlich köstlich – der Linzer

Wir schreiben das Jahr 1529 in Wien. Es ist früher Herbst, gerade mal Anfang Oktober, und eigentlich könnte ja alles gut sein – wenn da nicht gerade dieser Haufen von Türken mit ihrem Anführer Süleyman vor der Tür stünde. Was wollen die denn plözlich hier? Seit fast drei Wochen stehen die vor der Stadtmauer und jeden Tag knallt es ein bißchen mehr. Die Wiener sollen sich ergeben, hört man, worauf selbige entrüstet den Kopf schütteln. Aber da! Mitte Oktober ist auf einmal der Spuk vorbei, und man zieht sich zurück – die einen in die westlichen Regionen, die anderen ins osmanische Reich.
Zurück bleibt ein Sack Pistazien, der scheinbar dem Truppenkoch dieser eigenartigen Turbanmenschen vom Wagen gefallen ist, und den der Zuckerbäcker Johann Wondratschek beim Spazierengehen findet.
„Ja geeeeh… Nüsse?“ denkt er sich so auf seine zutiefst wienerische Art – aber nein, die sind ja ganz grün!
„Muß ja nichts Schlechtes sein…“ meint der Zuckerbäcker, und probiert mal eines der Nüßchen. Gar nicht so übel, wie er befindet. Und schon bald kommt ja die Adventszeit und er muß sich ans Plätzchenbacken machen. Durch die Belagerung sind seine Vorräte sowieso arg erschöpft, und so lädt sich der Zuckerbäcker den Sack Pistazien auf den Rücken und macht sich auf den Heimweg. Derweil überlegt er halt, was er aus der Fundsache nun machen könnte. Seine Cousine, die Martha, die hat ihm kürzlich etwas von dieser Linzer Torte erzählt, von der man gerade so schwärmt. Da könnte man doch durchaus etwas abwandeln und vielleicht…. mmmh…. und zu Ehren der Stadtrettung… ja, das könnte gehen… ein kleiner Wink mit der Friedensfahne….

Natürlich hat es den Zuckerbäcker Wondratschek so nicht gegeben – naja, vielleicht doch, aber hier gehen die historischen Pferdchen mit mir durch. Genauso, wie das Rezept mit mir durchgegangen ist. Man könnte es halt tatsächlich „Süleymans Vermächtnis“ nennen; eine kleine Mischung aus Orient und Okzident. Pistazien und Rosenwasser treffen auf die Himbeere – das ist doch mal ein Wort! (Nein, nicht ein Wort, ein Keks!)
Die Belagerung gab es tatsächlich, und die dauerte vom 27. September bis zum 14. Oktober 1529. Die Türken waren standhaft, die Wiener noch mehr, und so fand sich schnell ein Ende der Angelegenheit.

Wir brauchen fürs west-östliche Experiment:

  • 150 g Weizenmehl
  • 100 g Pistazien, fein gemahlen
  • 125 g Butter
  • Prise Salz
  • Abrieb von 1 Orange
  • 1 EL Rosenwasser
  • Himbeermarmelade
  • Puderzucker
  • Linzer Ausstechförmchen

Die ersten 6 Zutaten in eine Schüssel geben und zu einem Knetteig verarbeiten. Dieser darf sich dann im Kühlschrank mindestens zwei Stunden erholen und abkühlen.
Nun ist ja etwas Zeit, da lassen sich dann schon in Ruhe zwei Backbleche heraussuchen, mit Papier auslegen, Nudelholz und Ausstecher bereitstellen etc… oder auch einfach nur Zeitung lesen.
Wenn’s soweit ist, ist der Ablauf etwa gleich wie bei der Prinzenrolle:
Erst den Backofen auf 160℃ Heißluft vorheizen. Den Teig portionsweise auf einer bemehlten Arbeitsplatte ausrollen, ca. 3-4 cm dick, und zu gleichen Teilen einfach volle Plätzchen und die Ringe für obenauf ausstechen – auch hier wird später wieder montiert. Jeweils vorsichtig – damit die Ringe für die obere Hälfte nicht verziehen – aufs ausgelegte Blech geben und die Kekshälften dann ca. 12-14 min. backen. Bitte dabeibleiben und ein Auge drauf halten; durch die Pistazien verbrennen die Kanten recht schnell!
In diesen Keksen ist kein Ei, darum die Bleche, wenn sie aus dem Ofen kommen, erst mal auf dem kühlen Boden parken und alles etwas abkühlen lassen – wenn man diese Plätzchen zu rasch und zu warm vom Blech nimmt, brechen sie gerne. Nach einigen Minuten dann dürfen die Hälften aufs Abkühlgitter.
Wenn die Plätzchenhälften etwas abgekühlt sind – also soweit, daß man sie entspannt anfassen kann – kommt die Marmelade ins Spiel. Diese läßt sich übrigens besser aufbringen, wenn sie vorher leicht angewärmt wird. Mit einem Teelöffel wird nun jeweils auf den unteren Teil ein Klacks davon mittig aufgesetzt, und mit einem Keksring abgeschlossen, der leicht angedrückt wird. Jetzt noch etwas Puderzucker drauf, damit’s hübsch ausschaut, und dann bitte – ganz wichtig! – die Plätzchen noch etwas liegen lassen, damit sie ordentlich zusammenkleben. Anschließend kommen sie dann in eine luftdichte Dose, in der sie zwischen Lagen aus Backpapier auf ihren großen Auftritt warten.
Salam Aleykum und einen schönen November!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.